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<blog>
	<datum>11.06.2026</datum>
	<headline>Usability</headline>
	<teaser>
		Was heißt das? Warum sollte ich auch darauf achten? Mein erster Informatiklehrer,
		das war 1980, hat mich mit folgenden Satz geprägt. "Eure Programme dürfen auch 
		dann nicht abstürzen, wenn der Benutzer seinen Hintern auf der Tastatur ablegt."
	</teaser>
	<para>
		Viele Unternehmen wollen sich bei der Gestaltung Ihrer Präsentationen bzw. 
		Anwendungen im Netz vom Mitbewerb abgrenzen. Klar, sie wollen natürlich möglichst
		viele Anwender anlocken. Maßgeblich beteiligt, sind aber Personen, die hauptsächlich 
		auf die grafische Gestaltung achten. Sie müssen auch die "Corporate Identity" 
		wahren, was natürlich wichtig ist, denn die Benutzer:innen müssen immer erkennen 
		können, bei welcher Firma sie sich gerade befinden. Wer auf der Seite des TSV 
		1860 München gerade unterwegs ist, möchte auch immer erkennen können, dass er 
		nicht versehentlich bei den Bayern gelandet ist. Die Usability wird dabei mehr 
		oder weniger übergangen.
	</para>
	<para>
		Ich hatte mal für ein Projekt eine Funktion entworfen, mit der sehr einfach,
		Verweise zu einem Dokument per E-Mail verschickt werden konnte. Heute würde so 
		eine Funktion "Teilen" heißen.  Die Benutzer:innen haben die Funktion aus einem 
		Menü ausgewählt und bekamen dann mehrere Links präsentiert, die sie nur in eine 
		E-Mail kopieren mussten. Der Grafikerin, die extra aus Berlin angereist kam, 
		hat das nicht gefallen und verlangt, dass die Benutzer:innen noch den gewünschte 
		Link auswählen mussten, bevor sie den einen Link zu sehen bekamen. Es war also 
		eine zusätzliche Aktion erforderlich. Ich wollte das eigentlich nicht, aber der
		Referatsleiter hat darauf bestanden, schließlich kam die Grafikerin extra aus 
		Berlin. die musste es ja wissen.<br/>
		Es kam wie es kommen musste, die Anwender:innen fanden es nicht so toll, dass sie 
		nun eine Extraaktion ausführen mussten, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen 
		und ich musste die Änderungen der Berlinerin wieder rückgängig machen. 
	</para>
	<para>
		Worauf sollten Sie bei der Gestaltung der Benutzeroberfläche achten:
		<ul>
			<li><b>Mausklicks</b><br/>
			Zählen Sie die Mausklicks, die erforderlich sind, um eine Funktion zu starten.
			Je weniger desto besser. Dabei gilt, Funktionen die oft aufgerufen werden, 
			sollten mit möglichst wenigen Klicks angestoßen werden.<br/>
			Ein krasses Negativbeispiel: Um bei Outlook um das Jahr 2000 ein Formular 
			zu verändern, waren sage und schreibe 7 oder 8 Mausklicks erforderlich. Gut, 
			das war eine Funktion, die nur für Entwickler wichtig war, aber das fand ich 
			dann doch sehr übertrieben.</li>
			<li><b>Ergonomie</b><br/>
			Wie häufig müssen Ihre Anwender:innen zwischen Tastatur und Maus wechseln?
			Achten Sie darauf, dass für die meisten Funktionen auch Tastaturkürzel verfügbar 
			sind. Bei Turbo C für Atari, gab es nur für wenige Funktionen einen Tastaturkürzel.
			Ich habe dann versucht, für jede Funktion einen Tastaturshortcut einzuführen. 
			Am Schluss musste ich kaum noch zur Maus greifen und habe alles mit der Tastatur 
			erledigen können.</li>
			<li><b>Fehlertoleranz</b><br/>
			Jeder Mensch macht gelegentlich Fehler, auch ich. Wie kompliziert ist es, 
			versehentlich angestoßene Operationen wieder rückgängig zu machen. Ich weiß 
			nicht mehr, wo genau das war, ich habe mal irgendwo einen Datensatz angelegt, 
			der dann doch nicht erforderlich war. Das Recht, ihn zu löschen, hatte ich 
			aber nicht.</li>
			<li><b>Statusmeldungen</b><br/>
			Ihre Anwender:innen sollten <b>immer</b> wissen, was Ihre Anwendung gerade 
			macht. Ein sich drehender Kreis ist da völlig kontraproduktiv, besonders, wenn 
			die Funktion länger als 10 Sekunden braucht. Ja das ist in etwa die Spanne, die
			ein Anwender noch bereit ist, ohne Rückmeldung zu warten. Bei nur einen sich 
			drehenden Kreis kann der Anwender nicht unterscheiden zwischen einer wirklich 
			langen Aktion oder einer Endlosschleife.</li>
			<li><b>Kognitive Belastung</b><br/>
			Achten Sie darauf, wie die Oberfläche gestaltet ist. Wie lange brauchen die 
			Benutzer:innen, um einen Menüpunkt, den sie aufrufen wollen überhaupt zu 
			finden. Denken Sie daran aber auch immer an diejenigen Benutzer:innen, die 
			Ihre Anwendung nur einmal im Quartal oder gar Jahr benutzen müssen. Sie sollten
			sich immer fragen: "<i>Ist Ihre Menüstruktur für die <b>Zielgruppe</b> 
			verständlich?</i>"</li>
			<li><b>Deterministik</b><br/>
			Ein Programm sollte immer die Erwartungen der Andwender:innen erfüllen. Unerwartetes
			Verhalten vermindert die Akzeptanz. Ganz besonders schlimm sind Programme, wie 
			z.B. Facebook, die bei jeder Gelegenheit Ihren Feed neu aufbauen müssen. Wenn 
			Sie einen Beitrag sehen, den Sie kommentieren wollen aber vorher noch etwas 
			recherchieren müssen, können Sie davon ausgehen, daß der Beitrag bei der Rückkehr 
			zu Facebook auf nimmerwiedersehen verschwunden ist. Zufälliges Verhalten ist 
			für ein Spiel OK, für eine Kommunikationssoftware ist es kontraproduktiv.</li>
			<li><b>Flackern der Oberfläche</b><br/>
			Sehr häufig werden Webseiten aus mehreren einzelnen Requests zusammengesetzt. 
			Bilder, Iframes, Stylesheets aber aber ach per Javascript. Wenn Sie Ihre 
			Anwendung in ihrem lokalen Netz testen, werden Sie möglicherweise keine Probleme
			feststellen. Alles läuft superschnell. Haben aber Ihrer Anwender die gleiche 
			Bandbreite? Können die Server immer gleich schnell liefern? Gerade externe 
			Server haben oft Probleme. Das war z.B. bei mir ein Grund, warum ich manche
			Werbeserver ausgeblendet habe. Die waren zu langsam<br/>
			Wir hatten das Problem, dass in einer Außenstelle des Unternehmens, die Netzanbindung
			nicht so toll war. 8 Mitarbeiter:innen mussten sich eine 64 kb-Verbindung teilen.
			Ja, das klingt prähistorisch, ist es auch, die Außenstelle war aber in einem 
			Land auf der anderen Seite der Erdkugel. Problematisch ist dann, wenn Komponenten
			nachgeladen werden müssen, deren Größe unbekannt ist. Der Browser fängt schon 
			mal an zu rendern und, wenn die Komponente endlich ankommt, wird alles noch mal von 
			vorne gezeichnet. Wenn die Anwender:innen schon zu lesen angefangen haben, ist es
			besonders ärgerlich, wenn denen der Text plötzlich verschwindet.</li>
			<li><b>Farben und Kontraste</b><br/>
			Wenn Ihre Grafiker:innen die Farben auswählen, haben Sie oft einen kalibrierten 
			Bildschirm mit Sonnenblende oder ausgesperrtem Sonnenlicht. Klar die sehen alles 
			auf dem 2000 Eurobildschirm super toll. Aber haben das auch ihre Anwender:innen?
			Bei der Versicherung, für die ich mal arbeitete, war das so. Die Grafiker:innen 
			hatten eine Ausstattung wie sie Grafiker:innen nun mal brauchen. Die Sachbearbeiter:innen
			und die Softwareentwickler:innen mussten aber mit einem billigen 250-Euro-Monitor 
			vorlieb nehmen. Die Oberfläche war nur schwierig zu entziffern und wegen der 
			Blickwinkelabhängigkeit der billigen Monitore, konnte man sie oft nur erkennen, 
			wenn man den Kopf vor dem Monitor auf den Schreibtisch ablegte und von unten 
			auf den Bildschirm schaute. Ich nannte das deshalb, die Beamtengestaltung.</li>
		</ul>
	</para>
	<para>
		Am Ende zeigt sich die Qualität einer Software nicht darin, wie viele Features 
		sie hat, sondern wie unauffällig sie ihren Dienst verrichtet. Gute Usability 
		ist im Grunde unsichtbar: Sie fällt dem Benutzer erst dann auf, wenn sie fehlt - 
		sei es durch ein nerviges Flackern, unnötige Klick-Kaskaden oder kryptische 
		Fehlermeldungen.
	</para>
	<para>
		Was ist Ihre größte UX-Sünde, die Ihnen im Alltag regelmäßig auf die Nerven geht?
	</para>
</blog>